Trend – Transport – Textil

Interview mit Kevin Willy, Co-CEO Nile Clothing AG

«Was wirst du als Erstes tun? – Wenn dann die richtige Antwort kam, konnte ich davon ausgehen, dass auch der Rest verstanden worden war.» Kevin Willy

Vorname/Name: Kevin Willy
Alter: 29 Jahre
Funktion: Co-CEO Nile Clothing AG Sutz/Schweiz, Shanghai/China

 

 

 

 


Herr Willy, Sie sind heute Co-CEO von Nile Clothing AG und halten gemeinsam mit Ihrem Bruder Marc die Aktienmehrheit, nachdem Sie vor acht Jahren als Student in das Unternehmen eingetreten waren. Wie haben Sie das geschafft?

Durch die entfernte Verwandtschaft mit dem Firmengründer Markus Gygax bestand von Anfang an ein Grundvertrauen. Mein Bruder Marc und ich lernten die Firma sehr schnell kennen, und Markus liess uns viel Gestaltungsfreiraum und Raum für Eigeninitiative.

Sie erhielten bald die Möglichkeit, sich mit grösseren Projekten zu beweisen. Worum handelte es sich?

Vor fünf Jahren entschieden wir uns gemeinsam mit Markus Gygax für ein Büro in Schanghai. Die Gründe dafür waren die folgenden: Von der Schweiz aus Qualitätsprobleme mit chinesischen Lieferanten in den Griff zu bekommen, gestaltete sich schwierig, und die damit verbundenen administrativen Zusatzrunden waren ineffizient. Daher war die Verbesserung der Qualitätskontrolle sicherlich ein wichtiges Ziel. Noch wichtiger war es für uns, für eine bessere Ausgangslage für Preisverhandlungen und anschliessend auch für die Produktionsüberwachung vor Ort nahe am Puls zu sein. Und schliesslich ging es um die Überwachung unserer Massnahmen im Hinblick auf soziale Verantwortung, also faire Produktionsstandards, Schutz der Fabrikarbeiter oder Einhaltung ökologischer Richtlinien.

Sie waren erst 24 Jahre alt, als Sie das Nile Office in Shanghai aufbauen sollten. Fühlten Sie sich dieser Herausforderung gewachsen?

In der Tat war es eine grosse Herausforderung, und Hürden gab es einige. Nur schon eine Firma zu gründen, kostete mich drei Monate und unzählige Gänge auf zahlreiche Ämter. Eine weitere Herausforderung bestand sicherlich darin, ein qualifiziertes chinesisches Nile-Team zu rekrutieren – dieses besteht heute aus sechs Vollzeitangestellten, zu denen ich sehr regelmässigen Kontakt pflege.

Die chinesische Mentalität unterscheidet sich sehr stark von unserer. In welchen Bereichen merkten Sie das am meisten?

In der Kommunikation. Wenn ich einem Angestellten anfangs einen Auftrag gab, fragte ich «Hast du es verstanden?», und die Antwort lautete immer «Ja», auch wenn er gar nichts verstanden hatte. Ich lernte dann, anders zu fragen, nämlich «Was wirst du als Erstes tun?». Wenn dann die richtige Antwort kam, konnte ich davon ausgehen, dass auch der Rest verstanden worden war.

Gab es weitere sprachliche Hürden?

Ja, und einige Situationen sind im Nachhinein lustig. So installierte beispielsweise ein chinesischer Handwerker bei uns eine Dusche, und als er fertig war, kam nur kaltes Wasser aus der Leitung. Auf meine Nachfrage hin, was mit dem warmen Wasser sei, machte er mich darauf aufmerksam, dass ich davon nie gesprochen hätte.

Supply Chain Management – ein spannender Theoriebereich des HFW-Studiums

Im Lehrgang Supply Chain Management unterhalten sich die Studierenden über die Bereiche Beschaffung und Logistik sowie Produktionswirtschaft. Themen wie Produktionsprozesse, Fertigungstypen und -verfahren, Kapazitätsberechnungen und das Stücklistenwesen werden theoretisch gelehrt und geprüft. Studierende lernen die Arbeitsplan- sowie Operationsplangestaltung und berechnen den Break-even-Point. Fallstudien zu Produktionslogistik, Losgrösse, Auftragszeit und Durchlaufzeit werden gelöst. Dabei geht es im Wesentlichen um den gesamten Informations-, Wert- und Materialfluss durch das Unternehmen. Die Logistik verbindet die Beschaffungsmärkte mit den Absatz- und Entsorgungsmärkten, was sowohl national als auch international Herausforderungen mit sich bringen kann.

Was bedeutet das für reale Unternehmen? Welche Herausforderungen haben nationale und international Betriebe, und wie werden strategische Entscheide gefällt? Diese theoretischen Fragen können Studierende wie hier bei der Firma Nile Clothing AG anlässlich einer Studienreise in China stellen.

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