Swiss Innovation in China

Der heutige Beitrag wird von Matija, Teilnehmerin dieser Studienreise, geschrieben, da wir diese Erlebnisse aus Sicht einer Studentin darstellen möchten.

Der heutige Tag begann kurz nach 7 Uhr während der Rush Hour in der U-Bahn vom People Square. Das Ziel war die Hongqiau Railway Station, wo wir in den legendären High Speed Train nach Changzhou stiegen. Die durchschnittliche Geschwindigkeit betrug 300 km/h, was man jedoch gar nicht zu spüren bekam, da die Strecke meist gradlinig verlief und uns der Zug ein komfortables Reisegefühl ermöglichte. Die 50-minütige Reisezeit haben wir effizient genutzt, indem wir uns mit den Geschäftsberichten der Firmen Rieter und Mettler Toledo auseinandergesetzt haben. Wir verglichen die Kennzahlen und analysierten die Situation der beiden Firmen, damit wir gezielte Fragen stellen konnten.

Firmenbesuch bei Rieter China

In Changzhou schätzten wir sehr, wie reibungslos die Organisation unseres Transfers klappte. Ein komfortabel ausgestatteter Shuttle Bus brachte uns zu der ersten Station, der Firma Rieter. Wir waren überrascht, wie viel Wertschätzung und Aufmerksamkeit uns beim Empfang entgegen kam. Empfangen wurden wir von einer Delegation von sechs Personen, darunter der CFO Yang Guangli, der uns einen ganzen Vormittag lang Rede und Antwort stand.

Yang Guangli sprach perfekt Deutsch, da er sechs Jahre in Deutschland studiert hatte. Bemerkenswert war, dass er innert 3 Jahren nach Abschluss seines Studiums bereits eine Position als CFO bekleidete. Dies war gemäss seiner Aussage nur möglich, weil er alle Erfahrungen, die er in Deutschland während seines Studiums erlangte, jeden Tag hier in China im Arbeitsalltag einbrachte und 180% leistete. Er wies uns darauf hin, dass man nach dem Studium jedoch den richtigen Einstieg finden müsse, um erfolgreich zu sein. Deshalb habe er sich für eine Junior Stelle im Finanzbereich entschieden und sich hochgearbeitet.

Die Firma Rieter ermöglichte uns, ihre Produktion zu besichtigen. Wir waren von deren Grösse und Niveau überwältigt, da sich diese mit Schweizerischen Produktionen messen kann. Sie sind die wichtigsten Hersteller von Spindeln für die Baumwollverarbeitung in China. Yang Guangxi erklärte uns, dass sie sich von der Konkurrenz abheben, weil sie ihre wertvollen Kernkompetenzen, wie beispielsweise die Abteilung Research & Developement, auch in China stationiert haben. Im Vordergrund steht die Kundennähe, um auf Einflüsse effizient und effektiv reagieren zu können, aber auch die Kosten waren ein Beweggrund. Sie fokussieren sich darauf, die Qualität ihrer Produkte zu sichern und hohe Standards zu gewähren. Mit dieser Positionierung auf dem Markt beabsichtigen sie die Diversifikation von den anderen Anbietern. Rieter China hat einige Auszeichnungen gewonnen, wie bspw. eine ISO-Zertifizierung 9001:2008 und einen Eintrag ins Guinnessbuch für die feinste industriell gesponnene Wolle. Das 500 Meter gesponnene Garn wog insgesamt nur ca. 1 Gramm. Diese Erfolge konnten sie dank der hohen Qualitätsstandards erreichen.

Ihren Kunden bieten sie die Möglichkeit, sich vor Ort von der Qualität der hergestellten Maschinen zu überzeugen. Bemerkenswert war vor allem, wie unglaublich stolz die Führungsetage und auch die Mitarbeitenden auf die Erfolge der Firma sind. Dies spürten wir während unseres ganzen Besuches. Sie waren begeistert, unglaublich freundlich und aufmerksam, aber auch extrem aufgeschlossen beim gemeinsamen Mittagessen in der hauseigenen Kantine. Von dieser gelungenen und gemeinsam gelebten Firmenkultur, können sich viele Firmen eine Scheibe abschneiden.

Firmenbesuch bei Mettler Toledo

Nach dem Mittagessen erreichten wir bereits nach 10 Minuten Fahrt die Firma Mettler Toledo. Empfangen wurden wir ebenfalls von der Führungsetage, der Chinesin Ms. Cherrie. Als Einstieg zeigten sie uns einen Film mit chinesischen Schriftzeichen, in dem die Firma vorgestellt wurde, gefolgt von einem Vortrag von Jean-Claude Emery über ihre Kernkompetenz. Sie sind spezialisiert auf die Herstellung von Waagen für die Industrie, das Labor, den Transport und die Logistik sowie den Einzelhandel.

Die Firma besteht aus insgesamt 377 Mitarbeitern, welche auf Ende Jahr 2016 in eine neue moderne Produktionsstätte umziehen. Uns beeindruckte besonders, dass Sie Studenten aus Übersee die Möglichkeit bieten, für eine begrenzte Dauer, bspw. 3-6 Monate, sich in ihrer Firma zu integrieren und zu arbeiten. So können sie internationale Erfahrungen sammeln, was ihnen wiederum den Einstieg in die Wirtschaftswelt erleichtert und ihnen vor allem in China die Türen öffnet. Ms. Cherrie bot uns sogleich an, sich bei Interesse an sie zu wenden.

Dieser Tag war für uns als HFW-Studenten extrem lehrreich und bot uns den direkten Praxisbezug zu den Studieninhalten. Interessant fanden wir vor allem den realen Vergleich vor Ort zwischen zwei Schweizerischen Firmen mit Tochterfirmen in China.

Den Abend liessen wir in einem typisch chinesischen Restaurant mit gedämpfter Beleuchtung und schmackhaftem Essen ausklingen. Die Rooftop Bar lud uns noch zum Verweilen ein, jetzt sagen wir aber „Gute Nacht aus Shanghai!“, und hoffen, dass Euch der Beitrag gefallen hat.

Liebe Grüsse
Matija

 

2 Antworten auf „Swiss Innovation in China“

  1. Danke für diesen Einblick aus Sicht einer Studierenden.

    Das Thema Run & Change bewegt also auch in China. Kosten im Griff haben und Fokus auf Kunde und R&D sind Erfolgsfaktoren.

    Grüße in den fernen Osten.

  2. Xie, xie für den tollen Blog!

    Wunderbar, was ihr in eurer China Woche erlebt! Sie ist so inspirierend, gegensätzlich und facettenreich, dass ihr vermutlich das Gefühl habt, einen Monat in China verbracht zu haben …

    Euer Blog hat mich zu folgenden (auf 3 reduzierte) China-Reflexionen verleitet:

     Grösse – Koexistenz von zentraler Regierung und Innovation
    Diese Kombination macht deutlich, und das bestätigt ihr im Blog, dass ohne Beziehungen gar nichts möglich ist. Die Chinesen unterscheiden klar, wer zu ihrem System gehört und wer nicht – nur diejenigen im gleichen System erhalten Support.
    Erfahrung: ein Professor, welcher einen Kernartikel zum Thema meiner Masterarbeit (Boosting Swiss Hospitality in China, 2013) geschrieben hatte, ging natürlich nicht auf meine erste E-Mail Anfrage ein. Durch Beziehungen habe ich einen direkten Kontakt erhalten – heute ist dieser Professor ein Freund von mir.

     Verträge – doing business
    Wichtigste Erkenntnis: Verträge sind für Chinesen nicht grundsätzlich verbindlich (wie wir das sehen), sondern «Momentaufnahmen», und Basis für baldige Anpassungen und Änderungen.
    Zum Blog Eintrag vom 5. Mai – Patrick Jung, China und Afrika, die junge Beziehung:
    Die Geschäftstradition zwischen China und Afrika ist effektiv sehr alt.

     Digitales Zeitalter – wie habt ihr dies erlebt in Shanghai?
    Computer heisst vom Chinesischen ins Englische wörtlich übersetzt: electronic brain. Findet ihr auch, dass dies die Beziehung von Chinesen zu ihren IT-Geräten sehr passend beschreibt?

    Herzlich,
    Karin

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