REAL YUKI BUT FAKE MARKET

Es war nicht zu verfehlen, an mindestens drei Orten im Hotel wurde auf Tafeln in Englisch und Chinesisch darauf aufmerksam gemacht, dass sich die HFW mit ihrer „Swiss Students Group“ in einem Raum im 3. Stock versammeln wird.

Dort trafen wir auf Frau Yuki Wang, der HR-Verantwortlichen von Meyer Burger Shanghai. Nach einer Einführung durch Franziska Müller über den Tagesverlauf, Eckpunkte und Organisation von Meyer Burger Shanghai startete Yuki in ihrer gewinnenden Art, einem froschgrünen Blazer und einem Lächeln in den Tag. So stelle ich mir eine moderne, chinesische Frau vor, welche mit beiden Füssen im Berufsleben steht. Eigentlich wäre heute in China noch ein Feiertag, aber sie verbringt trotzdem den ganzen Tag mit uns. Nicht selbstverständlich…

Radisson Blue Hotel
Radisson Blue Hotel
Franziska und Yuki
Franziska und Yuki

Yuki gliedert ihre Präsentation in drei Teile: China, Shanghai und HR-Themen und bindet Fragen immer gleich ein.

Die Vorstellung ihrer Person verknüpft sie mit ein paar Multiple Choice Aussagen, von denen wir erraten sollten, welche wahr sind und welche nicht. So erfuhren wir, dass sie vor Meyer Burger für Pepsi gearbeitet hat und ein grosser Formel 1-Fan ist.

Ihre erste Frage an uns lautete, welches Bild wir denn von China haben? Die Rückmeldungen machten klar, dass wir in der Schweiz oft ein unklares, oder gar ein auf Vorurteile reduziertes Bild von China haben. Dort ernähren sich doch alle von Hund und Katze… Marc Müller brachte es auf den Punkt: Für uns sind andere aussereuropäische Länder wie z.B. die USA viel näher oder prägender. Die Sprachbarrieren sind klein und unser Lifestyle sowie unser „way of doing business“ sind ähnlicher. Die Reaktion von Yuki überraschte mich. Auch innerhalb von China seien sich die Menschen aufgrund der schieren Grösse des Landes oft fremd. Das Land wird in 5 grosse Districts geteilt: Nordchina, Südchina, Mittelchina, Westchina und Ostchina. Die Unterschiede bezüglich Sprache (Dialekte), Essen, Trinken und „Behaviour“ sind gross. In China gibt es 56 verschiedene Minderheiten und 248 Dialekte. Ein kleiner Film zeigte die interessante Kluft zwischen dem traditionellen und dem modernen China. Beides findet nebeneinander Platz und beides ist für uns wert, entdeckt zu werden. Der Unterschied zwischen Stadt und Land ist dabei nicht zu vernachlässigen.

Auch zu Shanghai, der achtgrössten Stadt der Welt mit ihren 25 Millionen Einwohnern, erhielten wir interessante Inputs.

Nun zum HR Bereich:

Meyer Burger verfügt in Shanghai über 150 Mitarbeitende. Yuki selber ist der Standortleitung in Shanghai und dem Gesamt HR-Leiter in der Schweiz unterstellt. Dies führt sie bis zu 8 mal pro Jahr in die Schweiz. Meyer Burger schliesst vor Ort Verträge mit chinesischen Kunden ab, wobei es zu beachten gilt, dass die produzierten Materialien auch von Chinesen eingekauft, dann aber je nach Projekt im ausserchinesischen Ausland, z.B. in Brasilien verwendet werden. In China ist es üblich, dass die Eltern nach der Ausbildung für den Erhalt des ersten Jobs bemüht sind. Das eigene Kind mit einem Job bei der Regierung oder in der Verwaltung zu versorgen, ist mit Ehre verbunden, auch wenn die Bezahlung nicht so hoch wie in der Wirtschaft ist. Dafür sind diese Jobs mit einem grossen Faktor an Sicherheit und Beständigkeit verbunden, was gerade in der Welt von Yuki nicht immer der Fall ist. Je nach Auftragslage besteht ihr Job aus dem Auf- oder Abbau von Personal. Überhaupt macht sie klar, dass schlechte Nachrichten immer durch das HR und gute Nachrichten durch die Linienstellen kommuniziert werden. Daran sei sie gewöhnt. Auch wenn sie gerne im HR arbeitet, sei es ein harter Job.

Eine Frage an Yuki beinhaltete auch das Thema Weiterbildung und deren Stellenwert. Auch hier erhielt ich eine erstaunliche Antwort. Natürlich spielt es eine Rolle, welche Ausbildung man bei einer Bewerbung vorzeigen könne, aber wenn man den Job dann habe, spielt Weiterbildung eine untergeordnete Rolle. Dies nach dem Prinzip 70,20 und 10. Damit ist gemeint, dass man seine Fähigkeiten zu 70% „on the job“ erweitert, 20% lernt man von Arbeitskollegen und nur 10% mit Weiterbildung. Aus meiner Sicht also auch in China ein klares Schwergewicht auf der Erweiterung von Kompetenzen, statt der Erweiterung von Wissen.

Nun wurde das Team von Yuki durch eine weitere Mitarbeiterin von Meyer Burger Shanghai ergänzt. Stefanie begleitete uns zum Dumpling-Essen. Es war köstlich. Durch ein Fenster konnten wir beobachten, wie diese mit den richtigen, flinken Handgriffen hergestellt wurden.

Nach dem Essen stand ein Besuch des Fake Markets auf dem Programm. Auf mehreren Etagen wird alles angeboten was nachgemacht werden kann. Selbstverständlich wurden wir durch Marc Müller darauf aufmerksam gemacht, dass diese Produkte nicht in die Schweiz eingeführt werden dürfen. Daran haben sich natürlich auch alle gehalten. Irritierend war einzig die Tatsache, dass alle mit irgendwelchen schwarzen Plastiksäcken herauskamen. Was dort wohl drin war?

Der Abend wurde in einem separaten Speisesaal mit einem grossen runden Tisch mit traditioneller, lokaler, chinesischer Küche im Restaurant South Beauty abgeschlossen. Die drehbare Scheibe in der Mitte enthielt diverse Schüsseln und Platten und alle nahmen sich was das Herz, die Schärfe und die Neugierde begehrte. Die Speisen sind mit dem, was wir in europäischen, chinesischen Restaurants angeboten erhalten, nicht zu vergleichen. Alle in der Gruppe waren für diese Erfahrung offen und haben sie richtig genossen.

Smith & Sons

 

Morgen Vormittag wird wieder gearbeitet (Thema Sales) und im Anschluss geht es in Richtung Restaurant Maya, wo wir auf Herrn Messmer vom SRF treffen, da Pascal Nufer aufgrund eines aktuellen Ereignisses kurzfristig in Süd-Ost-Asien unterwegs ist.

Es freut mich, dass Sie sich den Blog angeschaut haben. Sche-Sche (Danke)

Verfasser: Ernst Simonsohn, technische und fotografische Unterstützung: Claudia Irina Meyer (Sche-Sche vielmals)

 

Share this post:

5 Antworten auf „REAL YUKI BUT FAKE MARKET“

  1. Mjamm…! Das sieht echt lecker aus!! Ich hoffe doch, dass Ernst Simonsohn mit Blick gegen den Ausgang (die Türe) platziert wurde. So gehört es sich für den Chef….! ;-)))

    Allerdings…! Wer ein so richtiges Ess-Abenteuer erleben will, verdrückt sich in eine der vielen Nebengassen von Shanghai, geht dort in ein x-beliebiges Restaurant und bestellt per Fingerzeig auf dem Menü irgend etwas….UND ISST ES DANN AUCH! Das ist eine wahre Herausforderung!!! E guete!

    1. Lieber René

      Vielen Dank für Deine Kommentare. Weiter so…

      Ich sehe schon, nächstes Jahr nehmen wir Dich mit!

      Liebe Grüsse aus Shanghai
      Ernst

  2. Wenn ich als HR-Leiter lese, wie die Aufgabenverteilung in China ist, nämlich :-)) durch den Chef und :-(( durch das HR, dann schätze ich es sehr, wie die Führungspersonen der WKS KV Bildung auch bei schlechten Nachrichten ihre Verantwortung übernehmen!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.