Ohne den „Chinese Way“ geht gar nichts

Wann hat man schon die Gelegenheit an einem einzigen Tag so viele Aspekte von China von zwei Insidern präsentiert zu erhalten, welche unterschiedlicher nicht sein können und sich doch gegenseitig oft bestätigt haben. Wir hatten diese Gelegenheit und wir haben sie genutzt. Spannend!

Am Vormittag trafen wir auf Alicia. Eine zierliche, elegante Frau, welche bereits für verschiedene ausländische Firmen als „legal council“, also als Anwältin tätig war. Im Moment arbeitet sie für eine deutsche Firma. Sie bringt uns das politische System Chinas näher, beschreibt Aspekte des Arbeitsrechts und erklärt uns, welche Schritte es zu erledigen gilt, wenn man in China „business“ machen möchte. Verschiedene Formen des chinesischen Gesellschaftsrechts und vieles mehr. Vor Jahren habe sie an der Uni Recht unterrichtet und an der Art wie sie spricht, direkt aber mit Humor, kann ich mir vorstellen, dass sie ihren Job bestimmt gut gemacht hat.

Sales must know
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Sie stellt das System so vor wie es ist und fragt wie dies denn bei uns geregelt sei? Wer stellt die Kandidatinnen oder Kandidaten für das Amt eines Volksvertreters? Ah ihr könnt Euch selber politisch engagieren und zur Wahl stellen? Interessant, aber nein bei uns stellt die Einheitspartei die Kandidaten und liefert die Informationen zu deren Person. Sie macht das sehr gut, indem sie weder das eine noch das andere System wertet oder gar kritisiert. Dazwischen kommen Aussagen, über welche man lange nachdenken kann:

To control everything is not good, but everything out of control is also not ok …

Sehr interessant waren ihre Ausführungen zur 1-Kind-Politik : Aufgrund der enormen Population von 1.3 Milliarden Menschen wurde die bekannte 1-Kind-Politik eingeführt, um die Bevölkerungsexplosion zu bremsen. Im März 2016 wurde diese Politik aufgehoben. Wie kam es dazu? Bis zu diesem Zeitpunkt konnten sich nur sehr reiche Familien ein zweites Kind leisten, denn es galt eine Strafe von über 100‘000 RMB zu bezahlen, wenn man ein zweites Kind bekam. In China gibt es die sozialen Absicherungen im Alter, wie wir sie kennen, nicht. Hier sind die Kinder der Garant für eine finanzielle Absicherung im Alter. Wenn es also nur ein Kind gibt, so muss dieses später mal für die eigenen Eltern und Grosseltern aufkommen, also für 4 Personen. Wenn man verheiratet ist, bringt der Ehepartner die Verantwortung für weitere 4 Personen in die Ehe. Im Total also 8 Personen. Dies ist für viele Chinesen nicht möglich. Deshalb hat sich die Chinesische Regierung entschieden, diese Politik aufzugeben.

Es blieb spannend: Welche Bedingungen müssen für eine Arbeitsbewilligung in China erfüllt werden?

  • Mindestalter 18 Jahre
  • Körperliche Gesundheit muss nachgewiesen werden
  • Keine strafrechtliche „History“
  • Bestätigung des Arbeitsplatzes bei einem chinesischen Arbeitgeber
  • Gültiger Pass
  • In China notwendige Spezialisierung und dazugehörige Berufserfahrung

Wie sieht ein Arbeitsvertrag aus? Schriftlichkeit, Konkurrenzverbot und vieles mehr…

Welche Rechtsformen würden wir als Investoren wählen?…

Bei der Frage, wie man an die richtigen chinesischen Kontakte kommt, waren wir beim „chinese way“, ohne den gar nichts geht. Eine ganz andere Art der Kommunikation. Hier ist es wichtig, wer dich wem vorstellt. Wer ist der Türöffner. Können wir diesem vertrauen? Persönliches Networking steht im Vordergrund. Ohne persönliche Kontakt geht nichts. In der Schweiz können wir auch eine uns bisher unbekannte Person anschreiben oder anrufen und erhalten eine Antwort. Hier ist das nicht möglich.

Danke Alicia! Danke Franziska und Marc für die tolle Organisation!

Franziska, Alicia, Marc
Franziska, Alicia, Marc

Round Table SRF

Am Nachmittag fuhr die Gruppe in drei Taxis ins Restaurant Maya, wo wir auf Lukas Messmer vom Schweizer Fernsehen stiessen. Er arbeitet zusammen mit Pascal Nufer, dem Korrespondenten, hinter der Kamera als Journalist. Aus erster Hand erhielten wir Informationen über die Arbeit als ausländischer Journalist in China. Wir hingen an seinen Lippen. Keine Frage blieb offen.

Aus „Zeitgründen“ werden wir nach unserer Rückkehr über seine Erlebnisse berichten. Es lohnt sich also auch später nochmals einen Blick in den Blog zu werfen.

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Q&A Session mit Rob Jameson

Den Abend liessen wir im MAYA ausklingen, da wir noch eine Q+A Session mit Rob Jameson, dem Geschäftsführer des mexikanischen In-Lokals, organisiert hatten.

Restaurant MAYA
Restaurant MAYA

Rob Jameson, gebürtiger Ire und Niederländer, hat allen Widerständen zum Trotz in Shanghai ein mexikanisches Restaurant eröffnet. Er lebt nun schon seit 10 Jahren in Shanghai, ist mit einer Chinesin aus Shanghai verheiratet und sie haben eine einjährige Tochter. Auch geschäftlich läuft es rund, er hat mittlerweile sein zweites Restaurant eröffnet.

Er studierte an der University of Sheffield, wo er erfolgreich seinen internationalen Abschluss in Hotel- und Cateringmanagement machte. Während des Studiums verbrachte Rob einen Auslandaufenthalt in Holland, mittels Erasmus. Er wollte die Chance ergreifen und in sein Heimatland reisen, was ihm wertvolle Erfahrungen, direkten Austausch und viel Spass bescherte. Er arbeitete auch für 6 Monate in Hong Kong, um Neues zu lernen

In seinen Augen ist Europäern die Sicherheit sehr wichtig, sie gehen nicht gerne Risiken ein. Es ist eine Herausforderung mit Menschen von anderen Kulturen umzugehen, vor allem im Geschäftsleben. Rob war begeistert von Shanghai, doch er weist darauf hin, dass man extrem vorsichtig sein muss, da die chinesische Geschäftswelt so anders als die europäische funktioniert. Genau wie Alicia betonte auch Rob wie wichtig Kontakte in China sind. Dank seiner Frau verfügte er über ein solches Netzwerk.

China war am wachsen, die Geschäftswelt blühte und viele Expads, vor allem von Amerikanischen Firmen, kamen nach Shanghai. Diese mochten natürlich das mexikanische Essen und hatten auch genügend hohes Einkommen. Er wollte sich aber nicht nur auf die Expads als Kundenstamm verlassen, da diese auch wieder abreisen.

Rob musste auch einige Rückschläge erleiden, da es als Ausländer nicht einfach ist, in China Geschäfte zu machen und Anschluss zu finden. Man muss sehr vorsichtig sein, und die Chinesische Konkurrenz hat bessere Kontakte, man ist auf Hilfe angewiesen.

Deshalb ist wichtig, dass man immer freundlich und vorsichtig ist, das Vertrauen gewinnt, unter anderem indem man chinesische Mitarbeiter einstellt, aber auch mexikanische. Sonst wirkt ein mexikanisches Restaurant unglaubwürdig. Rob reiste letzten Monat nach Mexico, um Produkte und neue Gerichte zu entdecken. Er erklärte uns, dass die Positionierung im Markt sehr wichtig sei, man müsse festlegen, ob man sich im „Higher Level“ oder im Low Prise-Segment positionieren will.

In my opinion, qualitiy is more important than quantitiy.

Für ihn war es sehr wichtig, wer seine Zielgruppe, sein Markt ist. Ein grosses Problem für ihn war, dass er nicht an mexikanische Produkte kam. In China gab es von der Regierung Einfuhrverbote für viele benötigte Produkte. Aber mit viel Energie, harter Arbeit und natürlich gutem Essen hat er sich seinen Platz an der Spitze der Restaurantszene in Shanghai erkämpft. Rob Jameson hat es geschafft, obwohl auch die Konkurrenz immer stärker wird und hat sogar 2 Mal in Folge den Award für das beste Restaurant gewonnen.

Kenzi & Rob
Kenzi & Rob

Vielen Dank an Rob und Kenzi für den fantastischen Abend! Die Location ist toll, wir haben uns sehr wohl gefühlt. Das Essen war absolut köstlich und Eure freundliche Art und Aufmerksamkeit haben wir sehr geschätzt, wir kommen gerne wieder.

Es war ein spannender Tag mit vielen lehrreichen Informationen und witzigen Momenten und wir hoffen, Euch hat dieser Beitrag ebenfalls gefallen.

Liebe Grüsse
Ernst & Claudia

 

 

 

2 Antworten auf „Ohne den „Chinese Way“ geht gar nichts“

  1. Einmal mehr – ein spannender und lehrreicher Bericht. Vielen Dank, Ernst. Ich denke, die Gruppe könnte vermehrt noch den „Chinese way“ beleuchten. Das Konzept des „Guanxi“ ist sehr interessant und für uns Europäer oftmals hart an der Grenze zu dem, was wir als legal empfinden. Aber klar ist – ohne „Guanxi“ läuft gar nichts in China. Wäre spannend, wie MeiyerBurger damit umgeht (wenn sie es denn sagen….!) und wie sich das entwickelt hat in den letzten Jahren.

    Und wie sieht es mit der Qualität in China aus? MB produziert ja wahrscheinlich auch dort – kriegen die das hin mit der Qualität. Wenn ja – wie? Merkt man allenfalls, dass sich China langsam aber sicher weg von der Quantität und hin zur Qualität entwickelt?

    Liebe Grüsse aus der sonnigen Schweiz 🙂

  2. Spannend diese Eindrücke…
    Was passiert mit Leuten, die körperlich nicht 100% Leistung erbringen können? Müssen diese Personen einzig von ihren Familien unterstütz werden?
    Da bietet die Schweiz doch einiges… (IV, soziale Institutionen,…)

    Also auch in China ist das Netzwerk entscheidend. Wir sind auf dem richtigen Weg –> Aufbau social capital, Community,…
    Auch bei uns ist es wichtig, die richtigen Leute zu kennen, damit das Business gut läuft. Nur sind im Unterschied zu China die „Spiesse“ für alle Mitbewerber „meistens“ gleich lang.

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