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Jedes Wochenende spielt sich am People’s Square in Shanghai ein unglaubliches Schauspiel ab. Eltern von unverheirateten Kindern treffen sich auf dem Heiratsmarkt (Marriage Market), um einen passenden Partner für ihre Sprösslinge zu finden.

Was bei vielen von uns wohl ein Kopfschütteln hervorruft, ist in China ganz normal. Deshalb gibt es diesen Heiratsmarkt. Für junge Chinesen wird die Ausbildung und die Karriere immer wichtiger. Nach der grossen Liebe Ausschau zu halten, hat für viele eher eine untergeordnete Priorität.

Auf der anderen Seite ist die Familiengründung ein absolut wichtiger Bestandteil. Wer mit 30 Jahren noch nicht verheiratet und kinderlos ist, spürt den Druck durch Familie, Umfeld und Gesellschaft. Die Ein-Kind-Politik hat dazu geführt, dass es einen hohen Männerüberschuss im Land gibt, da besonders im provinziellen Umland kräftige Hände für die Farmarbeit benötigt wurden. Eine hohe Sterberate von weiblichen Säuglingen oder Abtreibungen waren daher leider keine Seltenheit. Als Einzelkinder, die oft bei den Grosseltern aufwachsen, fehlt vielen Chinesen der letzten Generation zudem die Erfahrung mit dem anderen Geschlecht. Weniger gut ausgebildete soziale Fähigkeiten erschweren die natürliche Kontaktaufnahme.

Grosser Beliebtheit erfreuen sich auch Vermittlungsagenturen, bei denen das eigene Kind der Datenbank hinzugefügt werden kann. Dies geschieht online oder vor Ort und erhöht wohl die Erfolgsaussichten auf einen „Treffer“.

Viele alleinstehende Chinesen im heiratsfähigen Alter (18+) würden ihre Eltern nicht die Erlaubnis für die Suche nach dem passenden Partner geben, was diese aber nicht vom Besuch des Heiratsmarktes abhält.

Die Zustimmung des Kindes hinsichtlich des Lebenspartners wird allerdings in konservativen Familien auch nicht benötigt. In ländlichen Regionen ist es immer noch üblich, dass der zukünftige Partner des Kindes bereits im frühen Alter festgelegt wird. Jedoch nimmt der Anteil der arrangierten Hochzeiten in den Grossstädten stetig ab. Der westliche Einfluss nach der Öffnung Chinas in der 80er Jahren und die vielen Dating-Apps sorgen dafür, dass junge Chinesen zumindest in Ballungsgebieten zunehmend Möglichkeiten haben, ihren Traumpartner zu finden.

 

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