Interview mit Hanspeter Lüdi, Inhaber LeanLogic AG, über seine Erfahrungen als Projektleiter bei Produktionsverlagerungen von der Schweiz nach China

Herr Lüdi, Ihre beruflichen Stationen führen/führten Sie während vieler Jahre immer wieder nach China, wo Sie unter anderem für den Maschinenbauer Georg Fischer, genauer gesagt für Georg Fischer Machining Solutions, die Produktionsverlagerung von der Schweiz nach China verantworteten. Welche Projektziele wurden dabei verfolgt?

Hanspeter Lüdi: Mit der Produktionsverlagerung vom Werk in Nidau ins chinesische Changzhou wurden folgende Projektziele verfolgt: Reduktion der Produktkosten und Verkürzung der Lieferzeit, der Aufbau der Qualitätssicherung in der Produktion für die «transferierte» Fräsmaschine sowie die Einkaufsunterstützung bei der Auswahl der lokalen Lieferanten und deren Qualität.

Welche Herausforderungen in Sachen interkultureller Kompetenz galt es zu meistern?

Hanspeter Lüdi: Das Mutterhaus und die im Werk Nidau ansässigen Mitarbeitenden in der Schweiz mussten zulassen, dass sich mit der Produktionsverlagerung aus der Schweiz nach China die Aufgaben, Verantwortungen und Kompetenzen in voller Konsequenz verlagerten. Der Aufgabenbereich der Schweizer Kollegen reduzierte sich auf technische Unterstützung aus dem Forschungs- und Entwicklungsbereich und nicht darauf, die lokal in Changzhou ansässigen Mitarbeitenden zu managen und kontrollieren. Eine grosse Herausforderung war zudem zu akzeptieren, dass Chinesen eine andere analytische und methodische Arbeitsweise pflegen.

Beim Statement „Doing Business in China“, welcher Gegensatz zum westlichen Geschäftsgebaren kommt Ihnen spontan in den Sinn?

Hanspeter Lüdi: Im Gegensatz zur westlichen Geschäftswelt habe ich festgestellt, dass sich chinesische Projektmitarbeitende die kontinuierliche Zusammenarbeit mit ein- und derselben Führungsperson wünschen. Die Zusammenarbeit in China gründet enorm stark auf Vertrauensbildung und der Beziehung zum Menschen selbst. Es empfiehlt sich gerade in lang andauernden Projekten, diesem Unterschied Rechnung zu tragen. Diese Beziehungen sind nicht nur im Sales Geschäft, sondern auch im After Sales Geschäft essenziell.

Auf der bevorstehenden Studienreise werden die angehenden Betriebswirtschafter HF in China auch den von Ihnen aufgebauten Produktionsbetrieb der Georg Fischer Gruppe besuchen. Dabei wird auch ein Management-Talk auf dem Programm stehen, bei dem die Herausforderungen einer erfolgreichen internationalen Zusammenarbeit und Standortverlagerung thematisiert werden. Können Sie uns zum Schluss dieses Interviews beantworten, welche typischen Fehler bei Standortverlagerungen es zu vermeiden gilt?

Hanspeter Lüdi: Die Unternehmensstrategie und die Ziele der Verlagerung müssen zwingend zusammenpassen. Auch gilt es, die Veränderlichkeit einiger Standortfaktoren (z.B. Lohnkosten) im Zeitablauf zu betrachten. Und der Aufbau eines Netzwerkes an Zulieferern, Dienstleister etc. am neuen Standort wird häufig unterschätzt.

Hanspeter Lüdi , geb. 1964
Gründung Leanlogic AG im Jahr 2010, spezialisiert auf Qualitätssteigerung der Produktionsprozesse in der Maschinenindustrie, Inhaber und Geschäftsführer, zuvor 14 Jahre Produktionsverantwortlicher im Bereich Automation von Forschungsprozessen für die Pharma Industrie.  Ausbildungen: Abschluss als eidg. dipl. Betriebswirtschafter sowie als Technischer Kaufmann, Lehre und Abschluss mit Meisterdiplom im landwirtschaftlichen Bereich

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