Gesten – Gespräche – Google

Interview mit Lukas Messmer, Journalist in Shanghai

«China ist auch heute noch one-of-a-kind: seine Grösse, seine Gegensätze, sein politisches System, seine Leute, ja gar die Landschaft. Für Journalisten wie mich eine Wundertüte, die nie langweilig wird, aber leider auch nicht ganz einfach zu öffnen ist.» Lukas Messmer

Vorname/Name: Lukas Messmer
Alter: 33 Jahre
Funktion/Arbeitgeber: Journalist in Shanghai SRF, Zürich

 


Jemanden zu korrigieren oder jemandem zu widersprechen, ist eine Beleidigung. Wie geht man in China mit Debatten um? Gibt es das überhaupt? Wäre ein TV-Format wie die Arena möglich?

Ich nehme sehr wenige «Debatten» im öffentlichen Raum wahr. Eigentlich keine. Offene Diskussionen, bei denen Teilnehmer verschiedene Standpunkte und Ansichten austauschen, gibt es nur privat. Ein TV-Format wie die Arena ist unvorstellbar. Die meisten Medien in China sind staatlich kontrolliert – damit meine ich nicht so wie das SRF, sondern so, dass die chinesische Regierung dem Sender CCTV sagt, was er berichten soll. Sie sollen «harmonisch» berichten, sie sollen «positiv» berichten, sie sollen der Partei folgen. Die Privaten sind auch nicht freier, sie wissen genau, was sie schreiben oder senden dürfen und was nicht. Das hat aber wenig damit zu tun, dass jemandem zu widersprechen eine Beleidigung wäre, sondern damit, dass China ein totalitäres System ist, das die kommunistische Partei von China eisern im Griff hat. In meiner Erfahrung widersprechen Chinesen im täglichen Leben tatsächlich eher selten, hauptsächlich aber meiden sie Widerspruch gegenüber älteren Leuten oder ihren Chefs. Mit jungen Chinesen kann man mitunter sehr hitzige Diskussionen führen, vor allem über Themen wie Taiwan, Tibet, USA.

Wie geht man in China mit der nonverbalen Kommunikation um? Langes In-die-Augen-Schauen gilt als unhöflich. Den Blick senken ist höflich.

Das kann ich aus meiner Erfahrung so nicht unbedingt bestätigen. «Den Chinesen» gibt es so nicht, es gibt urbanisierte Millennials und alte Bauern, die in der Kulturrevolution aufgewachsen sind. Beide verhalten sich völlig unterschiedlich. Insgesamt glaube ich, dass Chinesen grundsätzlich sehr neugierig, wenn auch etwas zurückhaltend sind. Es kommt aber auch sehr auf die Situation an, an einem Geschäftstreffen oder -essen zeigen sich Chinesen oft sehr höflich und ehrfürchtig gegenüber Leuten mit Geld, Macht oder Status.

Ja heisst nicht Ja, Nein gibt es nicht. Wie gehen die Medien mit diesem Verhalten um?

Nein gibt es sehr wohl, so antworten uns alle Regierungsinstitutionen immer mit Nein, wenn wir um Interviews anfragen. Aber sie begründen anders: Zurzeit ist man sehr beschäftigt, oder die Verantwortlichen sind krank oder nicht im Haus, oder man müsse zuerst in Peking nachfragen und so weiter. Das ist ein klares Nein, einfach anders formuliert, und mit der Zeit weiss man das.

In der Schweiz haben wir die Medienfreiheit. China hat eine strikte Zensur. Wie geht ihr Medienschaffende damit um?

Wir ausländischen Medien unterstehen keinerlei Zensur. Wir berichten, was wir wollen. Das Problem ist mehr, wie wir überhaupt an Informationen gelangen: Gewisse Gebiete sind nicht zugänglich in China (Tibet, Xinjiang, Südchinesisches Meer), Interviews mit Offiziellen nicht möglich, Dissidenten werden von der Polizei weggesperrt. Andere Journalisten haben auch schon ihre Visa nicht verlängert bekommen (New-York-Times-Journalisten, Ursula Gauthier von L’Observateur), weil sie kritisch über Chinas Politik berichtet hatten.

Wie könnt ihr als Medienschaffende dennoch neutral korrespondieren?

Das ist manchmal nicht ganz einfach, weil man bei einem klassischen Bericht immer alle Blickwinkel miteinbeziehen soll. Bei einem Thema wie der schmutzigen Luft in Nordchina würden wir gerne Betroffene, aber auch die Regierungsverantwortlichen interviewen. Letzteres ist aber nicht möglich.

Social-Media-Kanäle wie Facebook sind gesperrt. Warum?

Das hat verschiedene Gründe. Erstens, weil soziale Medien der Bevölkerung die Möglichkeit geben, sich zu organisieren. Der Arabische Frühling, bei dem soziale Medien wie Facebook und Twitter eine grosse Rolle spielten, hat China einen zünftigen Schrecken eingejagt. Zweitens erlaubt China nur soziale Medien, die es kontrollieren kann. Das heisst bei denen es bestimmen kann, welche Inhalte angezeigt werden. Wo es selber bestimmen kann, dass Nutzer beispielsweise keine Bilder von den Tiananmen-Protesten aus dem Jahr 1989 raufladen. Auch will China, dass diese Firmen die Nutzerdaten herausgeben, falls es das fordert. So kann die Regierung Nutzer, die sich kritisch über Chinas Politik äussern, verhaften. Facebook, Google und Twitter geben Nutzerdaten bisher nicht heraus und weigern sich, Server innerhalb von China aufzustellen. Drittens will China so wohl auch die eigenen Internetfirmen bevorzugen. Firmen wie Alibaba, Tencent und Baidu haben so den chinesischen Markt exklusiv für sich und sind zu Techgiganten herangewachsen.

In der Schweiz sind Bild- und Filmrechte geregelt. Was ist in China diesbezüglich zu beachten?

Es herrscht ein ziemlicher Wildwuchs. Chinesische Medien kopieren alles, was sie wollen, und brauchen beispielsweise Bilder und Videos von sozialen Medien, wie sie wollen. Wer eine TV-Box von Xiaomi benutzt und die üblichen Apps installiert, kann darauf alle möglichen Hollywood-Filme abspielen, die oft direkt aus dem Internet heruntergeladen sind.

Ein informativer Nachmittag

20 neugierige Studierende verschlangen gespannt die Worte von Lukas Messmer. Seine Ausführungen als Journalist in Shanghai waren vielseitig, liessen tiefe Einblicke in die Welt der Medien zu und er sprach mit Herzblut über seine Arbeit im herausfordernden China. Die Unterschiede der Medienfreiheit veranschaulichte er mit realen Beispielen und überraschte uns mit Erkenntnissen aus seiner täglichen Arbeit. Wir wünschen ihm viel Erfolg für seine neue Herausforderung und freuen uns bereits jetzt auf seine Beiträge.

Anlässlich eines interessanten Vortrages stellte uns Lukas Messmer Martina Fuchs vor. Eine Journalistin der besonderen Art. Mehr dazu hier.

Der Nachmittag endete mit einem mexikanischen Dinner im In-Lokal Maya. Rob Jameson, der Geschäftsführer des mexikanischen Restaurants eröffnete uns seinen Werdegang in der Gastronomie. Der Abend war kulinarisch und rhetorisch ein Erfolg.

 

Weibo und Youku – die Social-Media-Klone

Die sozialen Medien prägen die Kommunikation zunehmend. Privatpersonen wie auch Unternehmen bewegen sich parallel auf verschiedensten Kanälen. Ein bewusster und zielgerichteter Umgang mit Facebook, Twitter, LinkedIn und Co. ist daher wichtig. Social-Media-Kanäle sind zwar kostenlos, die Bewirtschaftung jedoch benötigt personelle Ressourcen, denn: Content is King! Inhalte müssen zielgruppenorientiert und dem Kanal entsprechend aufbereitet werden, denn die Zielgruppen sind anspruchsvoll. Im Bereich Social Media geht es nicht darum, was man mitteilen will, sondern was interessiert. Die Währung der Aufmerksamkeit heisst Inhalt.

Viele soziale Plattformen wie Twitter sind in China nicht verfügbar. Die Menschen bewegen sich auf geklonten Plattformen der westlichen Welt. Wer in China kurze Nachrichten an möglichst viele Leute versenden will, kann das mit dem chinesischen Twitter-Ersatz Weibo tun. Berichten zufolge verfügt Weibo bereits über mehr als eine halbe Milliarde Nutzerkonten. Ein weiteres Beispiel ist Youku.com. Der Klon von Youtube, das in China ebenfalls gesperrt ist, ermöglicht Nutzern, Videos hochzuladen und allgemein verfügbar zu machen. Youku hat aus Sicht der Nutzer einen grossen Vorteil. Aufgrund der Art und Weise, wie China mit Urheberrechten umgeht, ist das Downloaden von Filmen und Musik in voller Länge möglich.

Digitales Lernen – Revolution im Klassenzimmer
Artikel in Weiterbildung Schweiz Nr.3-03/2017 

 

Tücken der nonverbalen Kommunikation

In China funktioniert die Kommunikation, jedoch mit grossen Unterschieden. Auch Teile der persönlichen Kommunikation, wie die nonverbale Kommunikation, weisen verschiedene Wesensmerkmale auf.

Die Forschung sagt, Gesichtsausdrücke existierten und könnten sechs grundlegende Emotionen abbilden, weltweit verstanden würden. Das sind Wut, Trauer, Freude, Überraschung, Ekel und Angst. In Asien ist vor allem die Augenpartie wichtig. Man erkennt dies zum Beispiel bei Mangafiguren, bei denen die Augen immer sehr gross dargestellt werden und von denen man die Emotionen gut ablesen kann. Westeuropäer hingegen achten eher auf den Mund.

Auch unterschiedliche Gesten, wie das ganz alltägliche Kopfschütteln, von dem man denken könnte, dass es überall auf der Welt als Nein verstanden wird, bedeuten in Indien und Bulgarien das genaue Gegenteil. In Asien wackelt man mit dem Kopf nach rechts. Und auch im vorderen Orient, wird nur das Nach-unten-Nicken als Zustimmung gedeutet, während Nicken nach oben eine Ablehnung ist.

Wer in China verstehen und verstanden werden will, muss einige Kommunikationsregeln beachten. Hierzu ein spannender Link: http://www.geschaeftsreise-top10.de/verhaltensregeln-china/

Unsere Studierende besuchen anlässlich ihrer Studienreise verschiedenste Firmen. Sie lernen die Gesten bei der Übergabe von Visitenkarten und werden mit Mimiken der Gesprächspartner konfrontiert. Ein spannender Austausch, der die interkulturelle Kompetenz fördert.

HFWgoesCHINA – Ihr Weg zur interkulturellen Kompetenz.

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